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Foto: LIVE vor Beginn der Veranstaltung (ui)

 

Schon immer kreuzten sich die Wege von CENAP mit den UFO-Promotern der deutschen UFO-Szene und stellten uns der Vermarktung der UFO-Märchen in den Weg, welche uns so manche Überreaktion dieser Personen einbrachte. Einen Einblick wie diese Personen ticken, finden Sie in nachfolgenden Fakten aus dem CENAP-Arrchiv 

The German UFO-chronicles: Modern Times: 80/90iger Jahre

In den Videotheken und in den Warenhäusern tauchte die Videokaufkassette "UFO - Das ungelöste Geheimnis" als PAL-Version mit deutschen Untertiteln auf - nichts weiter als "UFO Cover-Up, Live!". Und damit war die erste deutsche UFO-Videokassette als Kommerzprodukt auf dem Markt! Hiermit brach sich auch die EBE-Story von den Greys von Zeta Reticuli ihren Weg in die deutsche ufologische Vorstellungswelt. Am 9. Januar 1991 lud RTLplus zur Personality-Show von Thomas Gottschalk namens "GottSchalk" ein - Gast u.a. unser besonderer Freund von Buttlar, der hier für sein aktuelles Buch Reklame machen durfte und in welchem das "ET"-Foto groß herausgehoben wurde. Traditionell sorgte die bunte Medienwelt für einen mächtigen Anschub: Ab Nr. 10/1991 druckte die Freizeit Revue die Serie "Die Außerirdischen sind da: Aus den streng geheimen Papieren des Pentagon!" ab. Mehr lesen Sie in "Drachenwege"..., wo man tatsächlich auch nachlesen konnte, dass das von Wilbert Smith in Kanada Anfang der 50er Jahre aufgezogene "Project Magnet" schlußendlich dazu führte, dass dieser nebst anderen Wissenschaftlern gebeten wurde, "an den amerikanischen Untersuchungen der UFO-Wracks und ihrer Insassen teilzunehmen. Daraus ergab sich Mitte der fünfziger Jahre die Konstruktion einer Fliegenden Untertasse, an der beide Nationen beteiligt waren. Es war die in Toronto, Ontario, gebaute AVRO-Scheibe, benannt nach der Fabrikationsfirma, der A.V.Roe Ltd." Auch an dieser Stelle wurde das Werk aus der Denkschmiede von Buttlar´s zur Science Fiction da weder Smith irgendetwas mit einer womöglich gar in Roswell geborgenen Untertasse zu tun hatte noch der AVRO-Car das Produkt eines Nachbaus dieser legendären Saucer ist und einen gänzlich anderen Werdegang hat. Und bald darauf bläst er das Windei vom Besuch russischer UFOlogen 1989 auf der DU-Veranstaltung zu einem "wissenschaftlichen Dialog" zwischen Ost und West auf. Hier kam das 'Blaue Blut' des Herrn scheinbar in Wallung. Hans-Jörg Vogel besuchte einen Vortrag von Buttlar im Planetarium Berliner Prenzlauer Berg zu dem vorgenannten Buch. Dort bedankte er sich bei der "besonderen Unterstützung" für den Band durch Michael Hesemann aufgrund dessen "exzellenten Dokumentationen". Dies fiel uns unter den "Zweckfreunden" früher schon auf - hier wäscht eine Hand die andere, wobei offenbar JvB am meisten davon hatte während Hesemann sich nur im Lichte des Millionensellers freuen konnte. Vogel nach dem Vortrag, sinngemäß: "Irgendwie ist er zum Reiseführer in die Welt der Phantastik geworden, er lädt seine Leser zu einer phantastischen Odysee ins Land obskurer Wunder ein. Dabei versteht er es die Welt des Unfassbaren mit Versatzstücken der von ihm angefeindeten orthodoxen Wissenschaft zu bereichern, um damit der ganzen kosmischen Schifffahrt den Hauch einer wissenschaftlichen Exkursion zu vermitteln während dies nur nett dahingefassselt ist."
Am 19. Februar 1991 war Buttlar Stargast beim Radiosender RIAS I und erklärte dort im Brustton der Selbstüberzeugung: "Ich habe ja promoviert, die Astronomie ist eigentlich mein Gebiet und ich scheue mich deswegen nicht, mich auch mit unorthodoxen, merkwürdigen, unheimlichen Phänomenen zu befassen." Dabei hielt ihm die Moderatorin brav die Stange und bewertete seine Arbeit als "sehr klar wissenschaftlich analysiert". Naja, die "orthodoxen Wissenschaften liegen manchmal mit ihm quer und können das, was Sie aufstellen, nicht nachvollziehen" - da wurde aber ganz schön Staubzucker geblasen. Aber dies sollte in den nächsten zehn Jahren wieder und wieder auf anderen Sendern und mit anderen Moderatoren geschehen. Im Frühjahr 1991 erschien Timothy Goods "Jenseits von Top-Secret!" im Frankfurter Verlag 2001. Dies sollte für einige Jahre lang die deutsche UFOlogie mitprägen helfen, es war auch für uns eine wirkliche Herausforderung und von dieser Seite her als "gut" zu bewerten. "Magazin für UFO-Forschung" nannte sich ein kurzfristiger Versuch von Reckmann, Wendling und Eickhoff, eine MUFON-CES-nahe UFO-Zeitschrift zu etablieren. In der Welt am Sonntag vom 23. Dezember 1990 lasen wir: Jugend glaubt an Übersinnliches - Kinder und Jugendliche haben einen starken Sinn fürs Übersinnliche. Das ergab eine Umfrage der französischen Zeitschrift Science et Vie-Junior unter acht bis 16 Jahre alten Kindern. Demnach glauben 65 Prozent der Jugendlichen die Voraussagen von Horoskopen. Auch UFOs (45 Prozent), Hellseher (42 Prozent), Telepathie (40 Prozent) und Kommunikation mit Toten (37 Prozent) genießen hohe Glaubwürdigkeit. Überraschendes Ergebnis der Umfrage: Der Glaube an Übersinnliches steigt mit dem Alter der Heranwachsenden. In der Zeitschrift Quick Nr. 22/1991 fragte sich EvD ob die "geheimnisvollen Kreise im Korn" nun die "neuen Botschaften der Außerirdischen von Nazca" sind, um damit der Kornkreis-Bewegung einen weiteren Schub zu geben.
Die Lifesytle-Illustrierte Esquire nahm sich im Mai 1991 dem Thema "Die UFOs bitten zur Kasse" an, da die UFO-Mania um ging. Der Großteil des Inhalts ging auf ein Hintergrundgespräch mit mir zurück. Dort wurde Hesemann zitiert, dass der Frankfurter Kongress "astronomische Summen erwirtschaftet" hätte, wenn hinter den Kulissen nicht eifrig mit Schlamm geworfen worden wäre. "Nach einem gezielten Griff in die Kongress-Kasse setzte sich Hesemanns Adlatus Andreas Schneider mit rund 150.000 Mark ab. Manche munkelten, er sei von Außerirdischen entführt worden. In Wirklichkeit war er mittlerweile Assistent bei Erich von Däniken geworden", war da zu lesen. Gegendarstellungen und Leserbriefe gegensätzlich dazu blieben von allen genannten Seiten aus. Dies ist natürlich interessant, weil hier in einem Massen-Magazin gerade auch für die höhere Gehaltsklasse eine Darstellung erfolgte, die weitaus öffentlichkeitswirksamer und mächtiger war, als das was noch folgen sollte - und zwar von mir und meinen Kollegen. Mir geht es hier um die Unverhältnismäßigkeit der Mittel und um ufologische 'Politik'. Im Magazin 2000 bot von Buttlar nun "Esoertik-Urlaub" auf der Spur der Drachenwege im sogenannten "Merlin-Projekt" an. Zwei jeweils neuntätige Gruppen-Rundreisen nach England mit dem Herrn "Dr. von Buttlar" als Reiseführer für knapp DM 3.000 pro Nase. Elitär und exquisit - vor allen Dingen der Preis. Wie hatte bereits das angebliche Entführungs-Opfer Whitley Strieber in seinem Commuinion Letter im Frühjahr 1991 festgestellt: "Ich will mich in diesem seltsamen Feld nicht weiter engagieren, zudem sind die sogenannten UFOlogen die schrecklichsten, gemeinsten und verrücktesten Leute, denen ich jemals begegnete. Ihre Interpretationen sind von Anfang bis Ende Blödsinn. Die 'Entführungs-Berichte', die sie bewirken sind nicht real. Es handelt sich hierbei um künstliche Produkte aufgrund der Hypnose und kulturellen Konditionierung der Leute."
Der 1. Golf-Krieg brach aus und versetzte Europa in Schrecken, da intensive Kriegshandlungen seit etlichen Jahrzehnten mal wieder europanah ausgebrochen waren und aufzeigten, wie brüchig der Frieden ist. Gleichsam mußte Klaus Webner als Wiesbadener Filmschaffender die breite Ablehnung der TV-Anstalten erfahren, einen kritischen UFO-Dokumentarfilm ins Programm setzen zu wollen. Eben, weil es hierfür "keine Zuschauerzielgruppe" gäbe. Gleichzeitig brach das Vor-Internet-Zeitalter mit der recht teuren BTX-Technik (Datensammelbänke und elektronische Briefkästen) an und Daniel Fischer teilte uns mit, dass dort im Computernetz UFOs und Alien-Konzepte mit allerlei abenteuerlichen Storys durch die elektronische Kunstwelt jagten. Hier zeichnete sich bereits das "Informations-Zeitalter" am Horizont ab - und wurde von mir als Info-Junkie schon beliebäugelt, da man hierüber Zugriff auf Nachrichtenagenturen in Aussicht stellte. CompuServe machte hier schon die ersten große Schritte in Amerika als privat-kommerzielles Mailbox-System und verbreitete sich schier explosionsartig auf dem US-Kontinent, wo Computer und Modem eine lichtschnelle Verbindung über den Globus hinweg versprachen und damit eine neue Ära einläuten sollten. Aber dies nur nebenbei als historische Note. In Old Germany schlugen die Kornkreise in jenem Sommer voll durch und in Norddeutschland tauchten die ersten holprigen Kreise im Korn auf, produziert von Studenten, Juristen in spe die aus Langeweile "Nessie ins Kornfeld" setzten. In einer Pressemitteilung erklärte ich die Zeichen im Korn zur Landschafts-Graffiti und bezeichnete die "Herrn der Ringe" als Menschen. In der Segeberger Zeitung vom 23. Juli 1991 dagegen erklärte ein Team deutscher UFO-Forscher der MUFON, namentlich Joachim Koch und Jürgen Kyborg aus Berlin, die Erscheinungen "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" als "echt". Warum? Die beiden hatten ein "überaus großes elektromagnetisches Energiefeld" an Ort festgestellt. Am 27.Juli dagegen titelte das selbe Blatt: "Das Mysterium der Kornkreise als der Ulk dieses Sommers entlarvt: 'Herren der Kreise' studieren Jura".
Erich von Däniken kam groß heraus und nannte die "Kreise einen Intelligenz-Test" und Versuch von Außerirdischen mit uns Kontakt aufzunehmen. Die Esotera vom August 1991 berichtete über die "1.deutsche Kornkreis-Konferenz" in Hamburg, auf jener der "Experte" von Buttlar feststellte: "Die Getreidekreise werden auf keinen Fall von Menschenhand geschaffen noch handelt es sich um ein normales Naturphänomen." Er schloß nicht aus, dass die Zeichen von UFOs verursacht werden oder ein Kommunikationsversuch von Parallelwelten sind. Die Zeitschrift Quick begleitete für Nr. 32/1991 für den Artikel "Esoterik-Experte von Buttlar - das Geheimnis der Kreise im Kornfeld" und beim Wodka-Tonic erklärte jener: "Langsam kann ich das Wort UFO nicht mehr hören. Die Kreise im Korn sind Botschaften, hinter denen etwas Intelligentes stecken muß. Eine Art Bildersprache, mit der uns Außerirdische eine Botschaft hinterlassen wollen. Wir müßen sie nur entschlüßeln." Am 6. August 1991 sollte es bei RTL in der Sendung "Heißer Stuhl", damals "Europas schärfste Talkshow" genannt, heiß hergehen als von Buttlar auf selbrigen saß. Die Moderation übernahm Ulrich Meyer. Thema waren die Kornkreise. Auf dem Stuhl sollte ein Vertreter einer provokanten Theorie Platz nehmen während er mit seinen schärfsten Kritikern konfrontiert würde. Rudolf Henke sollte ursprünglich zum Kontra-Teil gehören, aber Johannes von Buttlar bestimmte dann selbst die Auswahl seiner Kontrahenten und sorgte dafür das Henke als einzig wirklich informierter und sachkundiger Kritiker/Skeptiker ausgeladen wurde. Der Hintergrund: Als Mitglied einer sogenannten Skeptiker-Organisation, die Aufklärungsarbeit gegen Aberglaube und Beutelschneiderei leistet, recherchierte Henke in Sachen von Buttlar. Und dies nicht nur wegen dessen adliger Herkunft und eines Doktortitels, sondern vor allem ob der verquasten pseudowissenschaftlichen Theorien des auflagenstarken Sachbuchautors.
Dies wäre eine spannende Konstellation für einen Fernsehabend gewesen. Doch es kam nicht dazu und als Buttlar von der Einladung Henkes erfuhr, drohte er mit seinem Fernbleiben. Die verantwortliche RTL-Redaktion machte also ihren Hofknicks und Buttlar hatte dann leichtes Spiel. Ein Medienskandal für sich, weswegen der "Heiße Stuhl" wohltemperiert wurde - oder gar ganz abkühlte. Die "ganz andere Talkshow" wurde zur Farce - und zur Promotion-Show für von Buttlar. Als Bernd Harder von der Saabrücker Zeitung diesbezüglich bei der Redaktion nachfragte, wußte natürlich niemand etwas davon, das man Henke jemals eingeladen habe... Die Analyse der Sendung können Sie im CR 187 nachlesen. Am 14. August 1991 ging eine dpa-Meldung über unsere Arbeitstagung deutscher UFO-Forscher in Viernheim durch die Presse, so auch in der Neuen Westfälischen: "UFOs gibt es nur, weil man Geld mit ihnen machen kann." U.a. las man nach: Füllen UFO-Kongresse normalerweise mühelos größere Hallen, so genügt den Skeptikern der Tagungsraum einer Pension. "Bei uns bekommen die Leute eben nicht das zu hören, was sie hören wollen", meint Hans-Jürgen Köhler vom CENAP. Bücher über dieses Thema hätten auf dem Markt wenig Probleme, selbsternannte Kontaktpersonen der außerirdischen Besucher könnten es sich leisten, bei ihren Vorträgen hohe Eintrittsgelder zu kassieren. Die CENAP-Mitglieder verteilen bei solchen Gelegenheiten gerne Flugblätter, in denen sie das Publikum zu kritischen Fragen ermuntern. In einer dpa-Meldung konnte der "UFO-Notruf für Sternengucker" (so die AZ) am 21. August 1991 vorgestellt werden: Mysteriöse Phänomene haben im Moment wieder Konjunktur - siehe die Kornkreise in England. Aber auch die klassischen UFOs werden immer wieder mal gesichtet. Etwa zehn Prozent aller Bundesbürger machten einmal im Leben merkwürdige Erfahrungen mit Himmelsphänomenen, schätzt die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) in Mannheim. Um die Leute mit ihren UFO-Problemen nicht allein zu lassen, haben die Forscher jetzt eine UFO-Hotline eingerichtet. Unter Telefon 0621-701370 kann jeder seine Beobachtungen bei UFO-Forscher Werner Walter loswerden.
Und die Zeit war auch reif für eines der ersten Bücher, welches von einem UFO-Skeptiker kam - in der Beckschen Reihe erschien im Herbst 1991 Ulrich Magins Taschenbuch "Von UFOs entführt - Unheimliche Begegnungen der vierten Art", was den Autor zu zwei TV-Auftritten führte - im Frühstücksfernsehen von Tele5 am 4. November und im "Buchladen" von West 3 am 7.11.91. Im Stern Nr. 36/1991 erschien ein Artikel über die aktuellste UFO-IFO-Statistik des CENAP. Hierin wurden die 314 UFO-Meldungen der vergangenen 15 Jahre ausgewertet. Daraus wurde dann eine dpa-Meldung, die z.B. am 12. September 1991 von der AZ mit der Schlagzeile "230 UFOs - auch der Mond ist dabei" verwendet wurde. In einer weiteren Agenturmeldung, die am 30. August 1991 bereits durch die Gazetten ging ("Psychokurse fallen bei Stiftung Warentest durch - Krank durch Selbsterfahrung", AZ), wurde davor gewarnt, das Psychokurse wie angebliche Kontakte zu Außerirdischen labile Seelen gefährlich ins Schlingern bringen können und damit ein erhebliches Risiko für solche Menschen bedeuten, "die wirklich krank sind und Probleme mit ihrer gegenwärtigen Lebenssituation haben". Die Berichterstattung ging auf die aktuelle Ausgabe des Berliner Verbrauchermagazins test zurück, in welcher der Psychotherapeuth und Professor an der Universität Osnabrück, Jürgen Kritz, erklärte, dass es sich "nicht selten" bei den Anbietern solcher Psychokurse um "selbsternannte Ausbilder" handle, die hier ihren "freien Schöpfungen" Lauf ließen. Unter dieser "seelischen Alchimie kann die psychische Stabilität bei den Teilnehmern durcheinanderkommen". Und die September 1991-Ausgabe der Zeitgeist-Postille Tempo griff sich "Kornkreise: New Age im Weizenfeld". Die Tatsache, dass die Kornreife und die Sauregurkenzeit zusammenfallen, legte verständlicherweise den Schluss nahe, dass es sich bei den alljährlich im englischen Sommer auftauchenden riesigen Kreisen und anderen Mustern in reifen Kornfeldern um von den Medien dankbar aufgegriffenen Unfug handle.
Die Journalisten Matthias Horx & Dieter Zinn machte sich auf ins britische Wunderland. Sie stellten fest, dass um diese Piktogramme sich der "bizarrste New Age-Kult seit Mariä Himmelfahrt" entwickelte und in dem Scharlatane sich in dieser Earth Mysteries-Bewegung tummelten um zu einer Art Esoterik-Open Air-Messe für eine Menge Neugieriger und skuriller Typen aufzurufen, die einfach alles glaubt und in der niemand auf die Idee käme, dass man ihnen landesüblichen Döntjes erzählt. Hierbei gedeiht die Wundergläubigkeit am besten und wenn man in der Kneipenhochburg der angereisten Kornfeldjünger, dem "Waggon and Horses", dann mit allerlei exzentrischen Storys konfrontiert wird, die hier sorglos von "verdächtigen Typen", "einer verrückter als der andere", ausgeplaudert werden, dann geht die Post ab. Horx & Zinn beobachteten dabei auch: "Vorneweg wie immer: die Deutschen." Die beiden begegneten dem Bauern Shepard (auf einen Tipp hin von Robin Allan von den Wessex Skeptics an der Uni Southampton), der selbst Kreise fertigte: "Regelmäßige Kreise mit scharfen Rand, in dem das Korn spiralförmig nach außen gebogen ist, sanft niedergelegt, in einzelnen Strängen, fast so, als hätte man es ineinander verflochten". Er zeigte ihnen wie es geht und dann legten sie selbst zur "Kornkreisproduktion" die Hand an - den Bauplan druckten sie nebst Fotobeweisen gleich mit ab. Später schauten sie Allen und seinen Kollegen bei der Arbeit für das US-Wissenschaftsmagazin National Geographic zu, wie sie ein 100 Meter langes Piktogramm ins Getreide treten. Alle hatten ihren Spaß, auch die die sich mit der Wünschelrute aus Kleiderbügel-Draht in der Hand ganz wissenschaftlich gaben um dann auf einem Druidenhügel sich einen Joint zu drehen und sich volle Dröhnung Pink Floyd aus dem Ghetto-Blaster geben. Tempo abschließend: Die Kornkreise sind ein "wundersamer Selbstläufer-Mythos, ein metaphysisches Perpetuum mobile, ein Spiegelkabinett, in dem alle gleichzeitig als Opfer und Täter fungieren. Andererseits gruselts uns: Wahrscheinlich könnte man selbst auf einem alten Socken eine Religion gründen. Das Leben des Brian. Im Kornfeld."
"Geisterstunde im Unterricht: Lehrer spricht mit Toten - Religionspädagoge will sogar ein Gänseblümchen gewesen sein", darüber berichtete Dorita Plange am 16. Oktober 1991 in der AZ. Okkultismus im Schulunterricht an der Realschule im niederbayerischen Dingolfing. Lehrer Stefan S. (54) spielten den Schülern angeblich "Stimmen von Toten" vor, erzählte gruselige Geschichten über UFOs und gefährliche Erdstrahlen. Sieben sensible Kinder leiden seitdem unter Albträumen und psychosomatischen Störungen. Die Eltern haben genug und wollen ihre Sprößlinge nicht länger einem Pädagogen überlassen, der angeblich in seinem ersten Leben ein Gänseblümchen war. Zudem betätigte sich Stefan S. auch als Prophet und behauptete, das im Jahr 2000 das versunkene Atlantis wieder auftauchen werde und in Südengland demnächst außerirdische Wesen landen werden. In der Schule bekam er so den Spitznamen "UFO-Heini" weg. In dieser Epoche war scheinbar alles möglich. Ende 1991 erschien so auch im Verlag Hesemann das Buch von Guido Moosbrugger "Und sie fliegen doch! UFOs: Die größte Herausforderung des 20. Jahrhunderts" als Huldigung für Billy Meier in der Schweiz. Unmögliches wurde also in dieser Zeit möglich. "UFO-Glasnost - Ein Geheimnis wird enthüllt" von Marina Popowitsch erschien zum Weihnachtsfest im Verlag Langen-Müller. "Außerirdische - sie beobachten uns schon lange - UFOlogen-Kongress in München: Kontakte schon bald möglich" hieß die Schlagzeile von Olf Paschen vom 5. Dezember 1991 in der AZ: Im Hinterzimmer einer Perlacher Gaststätte waren rund 50 meist junge Leute zusammengekommen, um Sensationen aus dem Mund eines "weltbekannten UFO-Experten" zu vernehmen: M.Hesemann. Jener führte "sensationelles" Filmmaterial vor, bei dem "nur noch ein vorbeistolpernder Buster Keaton fehlte". Paschen: "Der Münchner Journalist und Vortragsreisende, ehemals Barkeeper [?], gilt in der Branche als Laufbursche des eigentlichen spiritus rector der Bewegung: Papst der UFOlogen ist Johannes von Buttlar, Nachfolger des Renegaten Erich von Däniken... Unter den UFOlogen tummelt sich vom Alt-Hippie bis zum Neo-Kelten ein buntes Volk. In Perlach sass ein bibeltreuer Christ, der 'von einem Engelwesen' geheilt wurde. Ein anderer Zuhörer machte untergetauchte Nazis für den Himmelsverkehr verantwortlich. Eine 'leichte Form von Alzheimer-Demenz' sieht der Münchner Psychologe Colin Goldner (38) im 'pathologischen Redebedürfnis' der UFO-Referenten. Mit 'Zynismus oder Dummheit oder beidem' würden die Wundergläubigen verschaukelt..."
Die "Karriere" des Herrn Schneider - die Kulmination "UFO-Forscher Andreas Schneider - 'Die Außerirdischen kommen - sie haben es mir selbst gesagt'" hieß es am 13. Mai 1990 in einem ganzseitigen Artikel der BILD-am-Sonntag. Hier wurde bekannt, dass der junge Mann 35.000 Mark für eine Tournee durch Amerika verdiente und auch die Seminare "des selbsternannten UFO-Forschers" recht gut laufen. Der BamS hatte er (wegen der Auflage) seine "abenteuerliche Geschichte gratis verkündet - mit einer aktuellen Nachricht: 'Der öffentliche Kontakt mit den Außerirdischen steht kurz bevor, sie haben es mir selbst gesagt.'" Mit seinem "World Institute of Light" versorgte er weltweit 3000 Interessierte mit Informationsmaterial über die "Außerirdischen". Zu seinen Kunden gehörten Nina Hagen, Christiane Rücker und Ruth-Maria Kubitschek sowie "mein Freund Erich von Däniken". Wie die Zeitschrift Girl! Nr. 4/90 über Schneider berichtete, sei sein Terminkalender proppevoll und Pläne schmiedeter auch jede Menge - eine Seminartour durch Deutschland und der Vertrag mit einem großen Reiseveranstalter winkte ihm, um ihn für Vorträge auf Ferieninseln zu buchen. Alles nur "um die Botschaft der Humos zu verbreiten", natürlich. Dazu diente auch eine Musikkassette, die er zusammen mit einem Musiker herausbrachte: "Welcome..." Und in Die andere Realität vom April 1990 fand man Seminar- und Workshop-Angebote: "Dieser Workshop zielt daraufhin ab, dass Sie direkt Kontakt mit den real existierenden außerirdischen Brüdern aufnehmen können." Der bunte Abend für DM 210,-. Und wie so ein Kontakt-Workshop ablief wird Sie sicherlich interessieren: Die Teilnehmer sollen sich völlig entspannen und sich auf eine große, gräulich glitzernde Säule konzentrieren und den Namen 'Nesser' rezitieren, damit könne man den "Kanal zum Kosmos" öffnen. Die Geschäfte schienen zu blühen, erstaunlich mal wieder für einen Schulabbrecher, der nichts gelernt hat und sonst keiner geregelten Arbeit nachging. Deutlich hatte er sich für das Show-Business entschieden. Bei all dem was um ihn herum abging, muß diese neue "Welt" ihn geradezu magisch angezogen haben. Natürlich liegt dies auch an jenen Personen, die ihn dabei auf die "Sprünge" halfen.
Am 5. September 1990 begegnete ich Andreas Schneider in der WDR3-Talkshow "Mittwochs um Acht" in der Sternwarte Bochum mit Bernd Müller, quicklebendig wie es schien. Kurz vorher schon war ich mit Schneider am Bahnhof zusammengetroffen, wo er von einem Mädchen schwärmerisch und begeistert empfangen worden war. In der Sendung erzählte er seine Geschichte routiniert und wie einstudiert. Künstliche Emotionalität kam in ihm hoch und dramatisch erzählte er seine Story. Moderator Müller: "Spinnt er? Kann es nicht sein, dass das nur ein Gebilde Ihrer Phantasie ist?" Schneider: "Ich bin in den letzten Jahren fertiggemacht worden. " Müller: "Auf der anderen Seite haben Sie auch eine Menge Geld verdient mit Ihren Aussagen und ständigen Wiederholungen." Schneider: "Nein. Das soll mir mal jemand nachweisen." Müller versagte hier, obwohl er alles Material von mir vorab erhalten hatte - so auch den Brief von Hesemann über die DM 100.000! Ich dagegen hatte wg. eines abgeschalteten Mikrofons überhaupt keine Chance an diesem Punkt, obwohl verzweifelt versuchte mich hier einzuklinken, weil ich merkte, dass das hier schief läuft. Bald darauf kam ich dann doch ins Spiel und verwies die Schneider-Story in die Kinderstube des Fernsehens. Dazu klatschten schließlich auch einige Gäste im Publikum. Ich zeigte in die Kamera das Alien-Bild, welches Schneider schließlich in der Bravo abdrucken ließ. Schneider, ins Schwitzen geratend und stotternd: "Dazu darf ich wirklich drei Takte sagen. Das ist tatsächlich abgedruckt worden, da hat Herr Walter natürlich recht. Ich finde es erst einmal gut, Herr Walter, dass Sie sich das erste Mal nach sovielen Anfragen trauen mit mir in eine Sendung zu gehen. Warum versuchen Sie mich ständig fertig zu machen?" Ich lachte nur auf: "Neinnein, das stimmt doch nicht." Eben weil es tatsächlich gelogen war. Die "sovielen Anfragen" gab es gar nicht, nicht eine. Erich von Däniken und Andreas Schneider. Auch diese beiden fanden endlich zusammen und gingen auf Seminarreise, nachdem sie vorher im Astrologie-Magazin Jupiter (Nr. 7/90) als "UFO-Experten sichern Spuren: Erich v. Däniken und Andreas Schneider" gezeigt wurden. Hier erklärte Schneider zudem, dass es bis zum Jahr 2000 "offizielle Kontakte geben wird".
Darauf mußte er die Menschen vorbereiten. Ein exklusives Tagesseminar in den guten Hotels der Nation zum Eintrittspreis von DM 186,- per Nase - bei etwa 150 Besuchern können Sie selbst ein Rechenexempel durchführen. Da bleibt ein satter Nettogewinn übrig, zu viel für einen "idealistischen Spinner". So geschehen am am 1. Dezember 1990 im Hotel H*y I*n, Frankfurt. Däniken sprach über "Die Spuren der Außerirdischen" und Schneider erklärte "Die Besucher sind zurück". Informationen und Anmeldung bitte über die AAS. Wir ließen hierzu ein Flugblatt mit der Überschrift "Der Aufschneider" an die Besucher verteilen und unterrichteten die örtliche Presse, worin wir bedauerten das Däniken Schneider "auf den Leim" gehe; Schneider ausnutze, wen er nur könne und alles versuche um in die Medien zu kommen, zudem habe er bereits einen Koblenzer Komponisten (Josef Tenspolde) betreffs der Herstellung einer Meditationskassette hintergangen, weswegen bereits ein Vollstreckungsbefehl gegenüber Schneider vom 19.4.1990 aus Mayen vorlag und ein Gerichtsvollzieher eingesetzt wurde um lächerliche DM 1.000 einzuziehen, doch bereits war hier durch Schneider der Anschein erweckt worden als sei er nur ein Sozialhilfe-Empfänger. Unglaublich ob des Vorspiels. Dies alles war in Absprache mit Michael Hesemann geschehen, der einigen Unmut betreffs Schneider inzwischen hegte und uns auch ein Päckchen mit indiskriminierten Hintergrunddetails zur Verfügung stellte! Insbesondere deswegen weil Schneider "einen Großteil der ca DM 130.000 Einnahmen aus dem UFO-Kongress munter zu privaten Zwecken mißbrauchte" und mit einer Lüge verschwand. In der Folge war Hesemann natürlich sehr verärgert, insbesondere als er sah, wie Däniken von Schneider "auf den Leim" gehe. Dies ist ein Umstand, der den Lesern des M2000 nicht ganz klar und in aller Deutlichkeit vorgetragen wurde - genauso wie jene Szenen hinter den Kulissen als die Fetzen flogen. Von Däniken versuchte so gar beim Deutschen Presserat Hesemann anzuschwärzen, aber dieser wies eine Beschwerde zurück.
Noch in "Erinnerungen an die Zukunft" hatte EvD den Finger erhoben und gewarnt: "Der seriösen Forschung verbauen Menschen von grenzenloser Dummheit den Weg: Da gibt es 'Kontaktler', die behaupten, mit außerirdischen Wesen verbindung zu haben; es gibt Gruppen, die aus den bisher nicht geklärten Erscheinungen phantastische religiöse Ideen entwickeln oder spinnöse Weltanschauungen daraus machen oder sogar behaupten, von UFO-Besatzungen Befehle zur Rettung der Menschheit bekommen zu haben." Doch plötzlich war alles ganz anders. Bemerkenswerterweise waren die Inhalte des Flyers auch schon im M2000 veröffentlicht worden - doch dorthin gab es weder eine Gegendarstellung noch sonstige Reaktionen. Matthias Arning von der Frankfurter Rundschau berichtete dort am 3. Dezember 1990 unter der Schlagzeile "UFO-Andreas läuft der Schweiß - Ein Vortrag über Außerirdische mit Erich von Däniken" von seinem Pressetermin an Ort: Der junge Mann ist noch skeptisch: Die Geschichte über die Scheibe und die "kleinen, geschlechtslosen Wesen mit den langen Armen", die Andreas Schneider mal wieder erzählt, sei ja gut und schön, und eigentlich habe er an dem Erlebnis des 22-jährigen keine Zweifel. Aber eines interessiert ihn doch: "In welcher Sprache unterhälst Du dich mit ihnen?" Andreas Schneider, kurz auch "UFO-Andreas" genannt, "weiß es nicht genau", doch "würde ich sagen: Es ist Deutsch". "UFO-Andreas" läuft "schon wieder der Schweiß". Wie immer, wenn er wie am Samstagvormittag über sein Erlebnis damals auf Teneriffa berichtet, auch nach dem hundersten Vortrag, diesmal beim Tagesseminar "Die Spuren der Außerirdischen" gemeinsam mit Erich von Däniken, wie immer dieses authentische Gefühl. Und Eva-Maria, die ältere Frau in der ersten Reihe des Saals im Hotel H*y I*n, Eva-Maria weiß wovon Andreas spricht, denn ihre Bekannten haben auch die Scheibe gesehen. "UFO-Andreas" war damals gleich klar, "was Sache ist", in der Nacht in der er aufwachte, auf den Balkon ging und "fühlte, dass die etwas von mir wollen". Er brach zusammen. Dann "dieses Gefühl immer leichter zu sein, meinen Körper von oben auf dem Balkon liegen zu sehen" und in das UFO zu schwben. "Da war nichts mehr dazwischen", erzählt er den 130 Teilnehmern und versichert ihnen, dass ihm wieder "der Schweiß läuft". Er also rein in die Scheibe, in der ihn "zwei Wesen" beruhigen: "Hab' keine Angst", hätten sie Andreas gesagt, "wir kommen in friedlicher Absicht". Von einem anderen Planeten aus seien sie unterwegs, sollen die beiden Wesen "ohne Behaarung" in nahezu fließendem Deutsch gesagt haben: "Wir besuchen euch schon lange." Das hat Erich von Däniken ja eigentlich immer vermutet, dass diese Außerirdischen vor Jahrtausenden auf der Erde gelandete sind. "Götter", die für "UFO-Andreas" inzwischen "zurückgekehrt sind".
Doch noch immer, bedauert Däniken, würden er und seine Anhäger-Schar, die für dieses Seminar jeweils 186 Mark bezahlten, Mittagessen inklusive, immer wieder "werden wir angegriffen". Das muß ein Ende haben, daher bietet Däniken den Teilnehmern "Argumentationshilfen" an, denn "am Ende des Tages soll jeder von ihnen ein halber Däniken und ein halber Schneider sein" und sich nicht mehr von den Kritikern beeinflussen lassen, die am Eingang des Hotels Flugblätter verteilten, um vor "dem Schwindler" zu warnen: Schneider sei "der Aufschneider" [daher wird auch klar, weswegen Andreas der Schweiß lief, zudem stand er vor einem Vertreter einer der renommiertesten sowie einflußreichsten Zeitungen Deutschlands]. Zweifel an "UFO-Andreas", über die sich auch Raimund aus Fulda Klarheit verschaffen will. Der "erste positive Eindruck über ihn", sagt der Sozialarbeiter, habe sich "noch bestärkt": Andreas hat dieses Erlebnis gehabt, ist Raimund überzeugt. Zumal Andreas auch klargestellt hat, dass er kein Betrüger sei, denn was bleibe ihm schon von den rund 24.000 Mark Einnahmen für das Tageseminar, wenn der Saal schon 4000 Mark koste? [Rechnen Sie selbst nach, 20.000 DM - was ist das schon?] "UFO-Andreas" ist also doch nur der Freund von dem Außerirdischen Neser, mit dem er sich noch immer unterhält. Auf Deutsch, versteht sich. Nur das, was den jungen Mann so bren nend interessiert, hat er bei Neser nicht gesehen: "Haben sie Dir ihr Antriebssystem gezeigt?"
Die Bonanza-Tage (Bonanza = Goldgrube)
Auch "Götter-Erich" zog es in den Osten und am 31. Mai 1991 berichtete die in Dresden erscheinende Sächsische Zeitung unter der Schlagzeile "Schlechte Nachricht für die UFOs: Keine Hilfe von Außerirdischen". Hiernach war EvD auf einer "ostdeutschen Lese- und Vortragstournee" mit sieben Städten als Markierungspunkten. Seine Vorträge wurden "eingerannt". Die Zeitung fragte ihn: "Schaden Sie sich nicht durch Ihre selbstauferlegte Verpflichtung, unterhaltsam zu sein? Dadurch berauben Sie sich doch der Seriosität." Daraufhin EvD: "Meinetwegen, das ich ich gerne einkassieren. Nur: wenn ich wissenschaftlich schreibe - das ist langweilig, das liest kein Schwein. Dann kommt auch kein Geld rein." Die SZ: "Manfred Krug hat einmal formuliert, die Freiheit trage er im Portemonnaie. Würden Sie sich dem anschließen?" EvD: "In dem Sinne ja." SZ: "Sie stehen tatsächlich unter Produktionszwang?" EvD: "Ja, doch." SZ: "Helfen die Außerirdischen dem Osten Deutschlands?" EvD: "Nee, das werden sie nicht. Die Außerirdischen helfen uns überhaupt nicht. In den UFO-Kreisen, bei den UFO-Gläubigen, da gibt´s ne Art Sektierertum. Ich find' das so beschissen! Denn diese Leute wissen nicht, was für eine Verführung sie anrichten." Allein drei Vorträge hielt der "Götter-Astronauten"-Vater in der Berliner Kongresshalle am Alexanderplatz, dazu veröffentlichte Hans-Jörg Vogel den Artikel "Es sind einige Phantasten, die die Welt in Atem halten und nicht die Erbsenzähler!" in der gerade neu durch Thomas Mehner aus Suhl auf den Markt gebrachten Zeitschrift Atlantis 2000 mit ihrer Nr.2. Mehner selbst erkannte, weshalb EvD solch einen Erfolg in der alten DDR hatte: "Das Thema wurde in der früheren DDR bis auf wenige Ausnahmen tabuisiert und Erich von Däniken als Feind eines wissenschaftlich fundierten sozialistischen Weltbildes eingestuft. Und diesen Feind wollte man schon immer einmal kennenlernen." Alles was aus dem Westen kommt und Erfolge verzeichnet war ja damals noch gut. Die Thüringer Landeszeitung vom 6. Mai 1991 sprach gar vom "Nachholbedarf" bei all jenen, die Däniken bei "seinen phantastischen Gedanken-Exkursionen begleiten" und die "Bücherstapel leerkauften". "Vor allem aber war es jene Generation, die als Jugendliche vom in der DDR schnell verbotenen Film 'Erinnerungen an die Zukunft' inspiriert waren und sie wurden wohl nicht enttäuscht". Die Thüringer Allgmeine vom 13. Februar 1992 berichtete ebenso über einen EvD-Vortrag vor 600 faszinierten Zuhörern in Erfurt: "Tosender Applaus nach Ende seiner Ausführungen, anschließend folgt das schwere Geschäft des Buchsignierens. Mach ein Besucher hat gleich drei oder vier Bände erworben, selten ist die Schlange vor dem Tisch kürzer als 50 Personen. Eine als Diskussionsrunde angekündigte Fragestunde bringt dann die Überraschung: Einige Amateur-Funker aus Oberhof berichten von Erscheinungen, die sie am Schneekopf beobachteten. Spannung steht in ihren und den Gesichtern der Zuschauer geschrieben, doch Däniken windet sich: Er habe selbst noch nie ein UFO gesehen, kenne aber einige 'blitzgescheite Leute', die von solchen Erscheinungen berichtet hätten. Damit ist das Thema für ihn erledigt, die Funker bleiben mit ihrem Erlebnis allein [in meiner Vergangenheit als UFO-Phänomen-Untersucher hörte ich ähnlich 'Klagen' immer wieder von Leuten, die mir berichteten mit Sichtungsberichten, Fotos und Filmen an den Herrn herangetreten zu sein, aber nie wieder etwas von ihm hörten - hier ist sicherlich manches Material bereits in einem 'Schwarzen Loch' verschwunden], und nach zwei weiteren Fragen verabschiedet er sich mit den Worten, er müsse nun aber wirklich ein Bier trinken."
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Ausschnitt: BRAVO
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UFOlogie wird zum "Gerichts-Thriller"
Die "heiße Phase" begann und ein ufologischer "Gerichts-Thriller" setzte ein - in dem offenkundigen Versuch die deutschen UFO-Kritiker Schachmatt zu setzen während z.B. die scharfen und harten Worte im Esquire, einem Blatt mit vielleicht ein paar hunderttausend Exemplaren Auflage und für jeden öffentlich greifbar, keinerlei Beachtung finden. Hier wurde also mit Absicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen während die große Kritik in einem Organ aus dem mächtigen Heinrich Bauer Verlag links liegen gelassen wurde. Dies muß man im Gesamtkontext sehen, wenn man das Nachfolgende liest. Scheinbar waren wir gefährlicher als Massenblätter geworden, die schnell was vergessen während wir als Chronisten der UFOlogie nichts vergessen. Das Drama was nun folgen soll kann aus heutiger Betrachtung für mich nur als eine Art "konzertierte Aktion" angesehen werden um unbequeme, dauerhaft am Ball bleibende Kritiker auszuschalten bzw lahmzulegen, die mittlerweile ganz schön in die Suppe spuken. Insider die als UFOlogie-Kritiker und UFO-Skeptiker auftraten gab es ja noch nicht. Dadurch wurde die Sache für die "interessierten Kreise" gefährlich. Genützt hat die nachfolgend dargestellte Aktion einer "CENAP-Vernichtung" nichts.
Mit Einschreibebrief vom 26. Februar 1991 erhielt ich dann eine sogenannte "Strafbewehrte Unterlassungserklärung" durch Schneider´s Anwälte Fischer & Schlüter aus Frankfurt zugestellt, diese wegen "Rufschädigung, Beleidigung und üble Nachrede". "Ich habe Sie hiermit aufzufordern, beigefügte Unterlassungserklärung binnen einer Frist von 2 Wochen ab Zugang dieses Schreibens in unterzeichneter Form mir wieder zugehen zu lassen. Gleichsam weise ich darauf hin, dass im negativen Fall einstweilige Verfügung vor dem Landgericht Frankfurt auf Unterlassung beantragt wird, ebenso, wie die Erhebung einer Klage auf Unterlassung. Desweiteren darf ich darlegen, dass wir ebenfalls Herrn Erich von Däniken vertreten [sic]." Hierin sollte jeder einzelne von uns sich gegen eine Vertragsstrafe in Höhe von DM 10.000,- verpflichten, sinngemäß die Behauptung aufzustellen, und/oder zu verbreiten, Andreas Schneider "hat ausgenutzt, wen er nur konnte und um in die Medien zu kommen, war ihm jedes Mittel recht"; Andreas Schneider begeht "Schwindel" im Zusammenhang mit der Abhaltung von Seminaren bezüglich des Gesamtbereichs "außerirdischer Wahrnehmungen"; Andreas Schneider habe "Gaunereien" begangen, und zwar im Zusammenhang mit der Herstellung einer Meditations-Kassete gemeinsam mit einem Koblenzer Komponisten und schließlich Erich von Däniken ginge Andreas Schneider "auf den Leim". Dies in Folge der eigentlich harmlosen Flugblattaktion. Streitwert DM 20.000,-. Die Unterlassungserklärung wies ich mit meinen Kollegen zurück, weswegen es zur Klageerhebung und schließlich zu einem einmaligen Prozess für Justizia in Deutschland in der Folge kam.
Wir führten aus, die Unterlassungserklärung nur dann zu unterschreiben, wenn Schneider den Nachweis erbringt, das er in der Tat Kontakte mit Außerirdischen hat und das deswegen tatsächlich kein Schwindel vorliegt und er auf seinen Seminaren Menschen realen Kontakt mit realen Außerirdischen vermitteln kann. "Liegt dieser Beweis vor, sind wir gerne bereit die Unterlassungserklärungen zu unterschreiben". Wir dagegen schalteten unter Mitwirkung von Frau Prof. Oepen, damals Präsidentin der GWUP, den Hamburger Rechtsanwalt Dr. Eberhardt ein, um der anwaltlichen Aktivität von Schneider zu begegnen, der wegen dem Gerichtsort Frankfurt einen Korrespondenz-Anwalt (Ernst-R. Rohde) schaltete. Schneider hatte eindeutig den Bogen überspannt. Schneider machte weiter und ergänzte seine Klage alsbald wg. "Geschäftsschädigung" und der Streitwert stieg auf DM 500.000,-. Die erweiterte Klage ging nun an die "Kammer für Handelssachen". Die Einstweilige Verfügung sowie Unterlassungsgeschichte war nämlich vom Landgericht Frankfurt abgewiesen worden. Nur mit der Höherstufung des Streitwerts war eine Fortführung möglich gewesen. Dadurch nahm die ganze Affäre nun weitaus dramatischere Dimensionen an und machte darüber hinaus auch vieles betreffs dem ergänzten Klagetitel deutlich!
Quertreiber: Die ufologische Schlammschlacht inmitten Deutschlands nahm neue, ungeahnte Ausmasse an, als am 20. März 1991 ein Fax des "Magazin für Neues Bewußtsein - 2000" mit der Aufschrift "Vertraulich!" in jener Firma für die Geschäftsführung einlief, in welcher ich zu jener Zeit arbeitete: "Sehr geehrter Herr Geschäftsführer, zu unserem Badauern müssen wir Ihnen mitteilen, dass ein Angestellter Ihrer Firma, Herr Werner Walter, von Ihrem Fax-Gerät zu privaten Zwecken Gebrauch macht und Ihre Telefonnummer auf seinem Anrufbeantworter als zweite 'Geschäftsadresse' anbietet. Dies ist insofern relevant, wie Herr Walter Leiter einer Vereinigung namens CENAP ist, gegen die derzeit die Staatsanwaltschaft ermittelt. Unter dem Namen von CENAP sind diverse [sic] antisemitische Haßtriaden und ehrabschneindende Kampagnen u.a. gegen diverse Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens [sic], u.a. einen Oberst der sowjetischen Luftwaffe, diverse Bestsellerautoren etc geführt worden. Gegen Herrn Walter laufen diverse [sic] Verfahren wg übler Nachrede, Geschäftsschädigung, Beleidigung etc. Mit freundlichen Grüßen, Michael Hesemann, Verlagsleiter." Feine Sitten nebst Hinterfotzigkeit sondersgleichen. Damit war das Klima rauher geworden. Boxhandschuhe statt Sachargumente? Marktkämpfe und Verdrängungswettbewerb sind wohl hierfür die richtigen Worte.
Magazin für UFO-Forschung Nr. 2 blies ebenso zum Generalangriff: "In Deutschland gibt es eine Gruppe organisierter Skeptiker, die der uninformierten Öffentlichkeit weismachen will [sic], dass es kein physikalisch reales UFO-Phänomen gibt. Der CR ist gefüllt mit unsachlichen Meinungsausflüssen ohne Bezug zur realen UFO-Forschung. Der Schreibstil ist fast immer unter der Gürtellinie[sic] und brachte den Herausgebern schon einige rechtliche Probleme, da andersdenkende Mitmenschen auf primitivste Art und Weise beleidigt werden [sic]. CENAP scheint jedes schmutzige Mittel recht und billig zu sein, um sogenannte Pro-Vertreter zu diskreditieren [sic]. Diese unseriöse Gruppe schreckt vor fast nichts zurück [sic]. Wo keine sachliche Substanz ist, kann man wohl auch keine Substanz erwarten [sic]. CENAP muß erkannt haben, dass man nicht mehr tiefer sinken kann [sic]. Denn: Ist der Ruf erst runiert, dann lebt es sich ganz ungeniert [sic]." Starker Tobac, der aber zum Gesamtfeld in jener Zeit passt. Agitation überall. Torsten Reckmann gab dann in einem Brief vom 28. Mai 1991 halbwegs entschuldigend zu, diesen Artikel "in Rage und mit Wut im Bauch geschrieben" zu haben. Mit Datum des 30. Mai 1991 meldete sich in einem Brief Hesemann* und hatte es vom CENAP REPORT als "einen Kübel Jauche, Jauche die offenbar täglich aus Euren Gehirnen hervorbrodelt" [sic]. Solch eine Kampagne hatte es bisher noch nie gegeben. Da lagen wohl einige Nerven offen, weil wir immer mehr in der Medienwelt an Gewicht gewannen und die Kreise störten, die den populären Strang der UFOlogie bedienen. Doch CR-Leser wie Oskar Böß aus Heilbronn sahen den CR z.B. als "lesens- und diskussionswürdige Lektüre" an, als die "im Moment wohl einzige Zeitschrift, die eine ehrliche und kritische Position zur UFO-Szene vertritt".
*= Am 4. November 2000 berichtete die Ostseezeitung in einer ddp-Agenturmeldung unter der Schlagzeile "Der UFO-Guru und die Diva": "Dieser Mann glaubt nicht nur daran, er hat die Beweise gesammelt. Mit Europas größtem UFO-Fotoarchiv und der welt-weit größten Sammlung von Filmmaterial ist Michael Hesemann nach eigenen Angaben 'Deutschlands führender Experte' in Sachen außerirdischer Intelligenz. Landauf, landab begeistert er seine Anhänger mit multimedialen UFO-Shows... Die Masche des 'Ufologen', der sich auch durch Enttarnungen von UFO-Aufnahmen als optische Täuschungen nicht beeindrucken lässt: Er tritt seriös auf und verweist auf seine akademischen Kompetenzen, die vom Vatikan ebenso geschätzt würden wie von den Machern der Science-Fiction-Serie 'Akte X' die er wissenschaftlich beraten habe." Inzwischen ging auch Erich von Däniken ins Rennen, offenbar weil er Morgenluft witterte und den "Sack zuschnüren" wollte, gleichdsam aber wirksam dem Prozess" von Schneider nicht beigetreten war (also als Nebenkläger auftrat) und aus dem Hintergrund heraus wirkte. Nachdem er Ende Dezember 1990 von Rudolf Henke ein Schreiben erhalten hatte, wonach dieser Däniken "im eigenen Interesse" aufforderte, "sich öffentlich von Andreas Schneider zu distanzieren". "Falls nicht, müssten wir annehmen, dass Sie die unlauteren Machenschaften von Schneider akzeptieren oder gar unterstützen. In diesem Falle werden wir nichts unversucht lassen, auch Ihre Rolle im Falle Schneider in aller Öffentlichkeit darzulegen", hieß es weiter. Mit Datum des 3. Juli 1991 schrieb er so an den Rechtsanwalt Klaus Fischer, Frankfurt, um eine "Klage gegen die CENAP" anzuregen, weil a) Andreas Schneider hierdurch "diffamiert wird" und er sich "gedroht" fühlte. Zudem stellte er klar, das "Andreas Schneider kein Betrüger ist. Es gibt kein einziges Rechtsurteil gegen Schneider. Die gesamten Diffamierungen gegen ihn verbreitet die Giftküche der CENAP [sic]". So bat EvD den Anwalt "unverzüglich in aller Härte und Schärfe gegen die CENAP vorzugehen [sic]. Gerne erwarte ich Ihre Rechnung [sic]". Doch bald darauf gab es nachfolgende Meldungen und damit war auch für von Däniken die Sache zu heiß geworden, um sie weiter zu verfolgen, weil der Bumerang nach hinten für ihn losging und ein dickes "Veilchen" sich abzeichnen würde, wenn... - dies wäre ein gefundendes Fressen für die Medien gewesen, wenn man hier auch noch EvD einspannen könnte, der ein weitaus größeres Kaliber als das kleine Würstchen AufSchneider gewesen wäre.
Querschläger: Inzwischen recherchierte Rudolf Henke betreffs der Führung eines akademischen Grades, Doktor, in Sachen von Buttlar, den jener ganz plötzlich aus dem Hut zauberte als er noch auf Schloß Bartenstein lebte. Am 5. Juni 1991 war die Sache heiß geworden, als die Gemeinde Schrozberg über Stadtamtmann Götz uns näheres mitteilen konnte. Götz teilte dabei mit, dass der Eintrag des "Doktor-Grades" in die Personalpapiere aufgrund einer "Promotionsurkunde der Prager Universität in London" erfolgte. Über den Stuttgarter Staatsanwalt König vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst war zu erfahren, dass ihm diese "University of Prague" nicht unbekannt sei und dass es sich dabei mit Sicherheit um keine seriöse Sache, sondern um eine sogenannten degree mill handle, also um eine Organisation, bei der man akademische Titel kaufen kann. Diese Einrichtung sei weder in der CSFR, noch in England oder Deutschland anerkannt - und wer dort einen "akdemischen Titel" erworben hat, dürfe ihn nicht führen. Über die Zentralestelle für ausländisches Bildungswesen in Bonn und dort Frau Buchal war zu erfahren, dass es sich bei der University of Prague im Kern um eine Art Briefkasten-Firma mit Sitz im südafrikanische Pretoria handele, bei der man für ca DM 3.000 einen "Doktor-Grad" erwerben kann. Frau Buchal bezog sich zudem auf das Urteil des Verwaltungsgerichts Braunschweig vom 27. Februar 1991 (Aktenzeichen: 6 A 61263/90) in dem die Führung eines von der University of Prague erworbenen "akdemischen Grades" als nicht rechtens erkannt wurde. Henke stellte den Antrag auf Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen Herrn Johannes von Buttlar wegen der Führung eines unerlaubten akademischen Grades bei der Staatsanwaltschaft Ellwangen. In diesen Tagen bot sich Henke als Referent auf der nachfolgenden D.U.-Konferenz an, um auch einmal einen UFO-Skeptiker dem Publikum zu gönnen. Hesemann wollte daraufhin einen Knebelvertrag aufsetzen, wonach Henke sich verpflichte gegenüber von Buttlar kein kritisches Wort verlauten zu lassen - sollte dies Geschehen, würde eine Vertragsstrafe in Höhe von DM 50.000,- fällig werden.
Henke lehnte dies selbstverständlich ab und damit war auch der Vortrag erledigt. Während genau dies alles lief geschah Folgendes: Mit Schreiben vom 12. Juni 1991 erreichte mich ein Brief von Rechtsanwalt Franz J. Mihsler aus Weikersheim im Auftrag von Johannes von Buttlar-Brandenfels, der sich ebenfalls versuchte um in Sachen "Rufschädigung" gegen uns vorzugehen (Stichwort "konzertierte Aktion"). Ich leidete diese Sache an Dr. Rummler vom Spiegel weiter, der inzwischen ein besonderes Auge auf Buttlar geworfen hatte und in dieser Sache gerade selbst wegen dessen Adelstitel und Doktorgrad recherchierte. Alsbald zog Buttlar´s Anwalt die Geschichte zurück, wohl auch deswegen weil wir bei unseren Erhebungen ebenso gerade festgestellt hatten, dass im Band 9, 1975, des sogenannten "Genealogischen Handbuchs des Adels", nachzulesen war, dass der Herr Johannes Busacker im Alter von 29 Jahren durch Frau Hildegard Schönflug, geb. Freiin Treusch-Brandenfels, mit Urkunde vom 28. März 1969 am Amtsgericht Frankfurt adoptiert worden war und damit zu seinem Namen kam. Auch wenn der CENAP REPORT von relativ wenigen Leuten gelesen wird, doch allein diese Feststellung schlug in der Szene wie eine Bombe ein und verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Jedenfalls tauchte der "Dr." (wie auf den Klappentexten von "Adams Planet" und wie im Reiseprospekt der Latz Management Consultants*, das in Zusammenarbeit mit Verlag 2000 entstand und hier gleich 12 x verwendet wurde) auf der Visitenkarte nicht mehr auf, nachdem die Staatsanwaltschaft Ellwangen am 9. März 1992 ein Verfahrung "wegen Mißbrauchs von Titeln" gegen ihn einstellte. Soweit mir bekannt werden an dieser Stelle diese Hintergründe hier erstmals vorgestellt. Ja, da muß es wohl stimmen, was Eberhard Schneider einmal erlebte, als er vom UFO-Baron eine Autogrammkarte mit folgendem Werbetext einheimste: "Johannes von Buttlar beginnt dort, wo ein Science-Fiction-Autor von der Wirklichkeit eingeholt wird und ein Wissenschaftler nicht die richtigen Worte findet." Weiteres lesen Sie im Spiegel Nr. 23/1994 mit dem Beitrag Scharlatane: Im Drüben fischen nach.
*= Latz Management Consultants GmbH, Düsseldorf, übernahm die Veranstaltung "Dialog mit dem Universum" III von Mitte Oktober 1992 im Düsseldorfer Hi***n-Hotel in Zusammenarbeit mit Magazin 2000, Verlag Michael Hesemann, und des "International Network for Extraterrestrial Contact". Eintritt DM 420,-. Nebenbei ging es um die "planetare Aktivierung", der "Öffnung des Tores - die Geburt des Neuen Zeitalters" am 11. Januar 1992 an den Pyramiden von Gizeh bei Kairo. Hier solle ein "Strahl aus dem zentrum der Galaxis eintreffen und Erinnerungen an unsere wahre Bestimmung freisetzen, die in unserer DNA über Inkarnationen eingeschlossen waren". Hesemann bot dazu nun auch "Esoterik-Urlaub" an, mit mindestens DM 1.980,- konnte man dabei sein. UFO-Gläubige unterliegen vor Gericht den Skeptikern - Von "Licht und Liebe" keine Spur in der Szene. So die Schlagzeile am 19. August 1991 in der Saarbrücker Zeitung zum Bericht von Bernd Harder, der dem heheren Presseprinzip gerecht wurde, wonach die Presse dem wichtigsten Privileg der Bürger zu folgen habe - ihm zu vermitteln, was wirklich los ist: Für die nach Tausenden zählenden Pilger, die seit Wochen durch die Getreidefel der in der Umgebung von Felm und Damp (Kreis Rendsburg-Eckernförde) stöbern, um die angeblichen UFO-Botschaften in Form von kreisförmigen Piktogrammen hautnah auf sich wirken zu lassen, haben die echten Experten in Sachen ETs mutmaßlich nur ein müdes Lächeln übrig. Eine große Gruppe unter den deutschen UFO-Freaks ist längst der früh-naiven Phase entwachsen, da man den kleinen, grünen Männchen aus dem All noch per Fernglas oder Wünschelrute nachspürte. Statt dessen nimmt man auf direktestem Wege Kontakt zu den Höheren auf, und zwar telepathisch. "Chennaling" heißt das in der Sprache der Auserwählten. Das geht denkbar einfach: "Ich lege mich ins Bett und konzentriere mich ganz stark auf sie. Dann spüre ich plötzlich, wie ich hochgehoben werde, und dann bin ich bei ihnen", halluzinierte einer der bekanntesten "Kontaktler", Andreas Schneider aus Neu-Isenburg, schon 1984 in der Jugend-Postille Bravo. Damals war Schneider gerade 15 Jahre alt. Heute firmiert er - mit Hauptschulabschluß, aber ohne Berufsausbildung - als Leiter des von ihm gegründeten "New Age - World Institute of Light" und bietet ab 200 DM aufwärts "Channeling-Workshops" und "UFO-Seminare" feil. So auch im Dezember 1990 in einem Frankfurter Hotel. Doch diesmal goß ihm die Skeptiker-Organisation CENAP (Centrales Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene) ein paar dicke Wermutstropfen in seine trübe UFO-Suppe. Mittels eines Flugblatts warnten die passionierten UFO-Entlarver die illustre Gästeschar des "Auf-Schneider" vor dessen "Schwindeleien": "Machen Sie diesem Gauner einen Strich durch die Rechnung, verlangen Sie Ihr Geld zurück!" Derart massiv angegangen, mochte Schneider in der Auseinandersetzung mit den lästigen Spielverderbern um den Mannheimer Einzelhandelskaufmann Werner Walter (34) lieber auf höchst irdische Autoritäten bauen. Kurzerhand klagte er beim Landgericht Frankfurt auf Unterlassung. Streitwert: 75.000 DM. Doch die Richter der 6. Zivilkammer zeigten sich wenig durchdrungen vom vielzitierten "Geist des neuen (Esoterik-)Zeitalters". Sie wiesen die Klage mit der Begründung ab, die CENAP-Behauptungen seien durch das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung abgedeckt. Im übrigen handele es sich um Wertungen, "die man sich möglicherweise gefallen lassen muß, wenn man mit derartigen Geschichten an die Öffentlichkeit geht". Freilich war der Frankfurter Zivilprozeß nur der vorläufige Höhepunkt einer bisher beispiellosen Schlammschlacht zwischen der Pro-UFO-Fraktion und den Skeptikern. So hatte beispielsweise im März dieses Jahres irgend jemand aus dem direkten Dunstkreis um den deutschen UFO-Oberguru, dem Münchener Kleinverleger Michael Hesemann, CENAP-Chef Werner Walter anonym bei dessen Arbeitsgeber angeschwärzt, Walter mißbrauche das firmeneigene Telefaxgerät, um "ehrabschneidende Kampagnen" zu verbreiten. Von "Licht und Liebe", so ein Slogan der UFO-Szene, also keine Spur. Der Grund liegt freilich auf der Hand: Der europäische Markt für UFO-Bücher, Zeitschriften, Fotos, Kongresse etc wird auf mehere Milliarden Mark geschätzt.
UFOs und die Meinungsfreiheit: irdische Instanz weist Klage in Sachen Himmelsphänomene ab hieß es am 23. August 1991 in der Rhein-Main-Zeitung, als eine dpa-Meldung diesbezüglich durch Deutschland ging: "In der Szene des Außer- und Überirdischen wird, wen wundert es, auch mit bodenständigen Methoden gestritten", erfuhr der Leser hier. Hier ging der Reporter auch darauf ein, das wir in unserem Flugblatt darauf hinwiesen, Schneider sei jedes Mittel recht, um in die Medien zu gelangen und ihm "selbst der Schriftsteller Erich von Däniken...auf den Leim ging". Da dies nur ein Werturteil ist für welches es keinen objektiven Maßstab gibt sei dies genauso vom Recht abgedeckt wie die Darstellung das Däniken dem Kläger auf den Leim gegangen sei, dies sei eine erlaubte Form der scharfen Attacke. "So wird sich der Mann, der von sich sagt, er habe mit Raumschiffbesatzungen Kontakt gehabt, an eine andere Instanz als das Frankfurter Landgericht wenden müssen (Aktenzeichen 2/6 O 174/91)". 1991 (genauer am 14. August des Jahres) entschieden so also die Richter der 6.Zivilkammer beim Landgericht Frankfurt unter Geschäftsnummer 2/6 0 174/91, dass die Klage des UFOlogen zurückzuweisen ist und die CENAP-Darlegungen durch das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung abgedeckt sind. Im übrigen handelte es sich um Wertungen, "die man sich möglicherweise gefallen lassen muß, wenn man mit derartigen Geschichten an die Öffentlichkeit geht". Mitteilungen über Kontakte zu Außerirdischen dürfen also als "Schwindel" bezeichnet werden, daraus machte die Wetzlarer Neue Zeitung am 23. August 1991 die Schlagzeile Berichte über Kontakte zu Außerirdischen: Bewertung als "Schwindel" zulässig: Berichte über Kontakte zu Außerirdischen dürfen als Schwindel" bezeichnet werden. Eine solche Bewertung ist nach Ansicht des Landgerichts Frankfurt vom grundrecht der freien Meinungsäußerung gedeckt. Die 6. Zivilkammer hat mit dieser Begründung in einem gestern veröffentlichten Urteil eine Unterlassungsklage abgewiesen. "Wer also öffentlich von UFOs erzählt, muß, solange er keines präsentiert, den Vorwurf hinnehmen können, nicht mehr als (Untert-)Tassen im Schrank zu haben. Deswegen zum kadi zu rennen und Justitia die Entscheidung über Sinn oder Unsinn des Außerirdischen zu überlassen, kann die Lösung nicht sein. Noch ist es ja nicht so, dass E.T. und Co dem Religionsschutz unterliegen und ihre Lästerung unter Strafe steht - Gott sei Dank kann man nur sagen, alles andere führte nur dazu, dass alsbald der Ayatollah einer UFO-Kirche irgendwelche Untertassen-Lästerer mit Morddrohungen überzieht... Insgesamt zeugt der Frankfurter Fall weniger von kosmischem Schwindel als von höchst irdischer Kleinkariertheit...", urteilte dagegen die TAZ am 4.September 1991.
Bemerkenswert ist weiteres: Im selben Jahr fasste die 3. Kammer des ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts Karlsruhe den Beschluss, dass die "Kritik in überspitzter und polemischer Form hinzunehmen ist, weil anderenfalls die Gefahr einer Lähmung des Meinungsbildungsprozesses drohe". Jeder kann also sagen was er denkt. Daher sind Werturteile nach Artikel 5 durchweg geschützt. Die Klage Schneider´s wurde also abgewiesen und der Kläger hat "die Kosten des Rechtsstreits zu tragen". Vermerkt wurde im Urteil extra, dass die Beklagten sich "kritisch mit der Wahrnehmung außergewöhnlicher Phänomene beschäftigen und Aufklärungsarbeit betreiben". Schneider hatte behauptete, dass wir "Wettbewerber" zu ihm seien und daher ihm eine Fülle von Verleumdungen entgegenwarfen, um seine "Geschäfte zu schädigen". Das ganze war also ein "Geschäftsschädigungsprozess" - interessant, nicht wahr? Deswegen hatte Schneider beantragt ein "Ordnungsgeld von bis zu 500.000 DM oder Ordnungshaft bis zu 6 Monaten" zu erzwingen, damit diese "Geschäftsschädigung" gesühnt und aufgehalten werde. Kurz und gut, "die Klage ist nicht begründet und der Kläger muß sich durchaus eine scharfe Kritik gefallen lassen, da er seinerseits mit den Beklagten nicht zimperlich umsprang. Dem Kläger stehen die geltend gemachten Unterlassungsansprüche gegen die Beklagten nicht zu. § 14 UWG scheidet als Anspruchsgrundlage aus, da zwischen den Parteien kein Wettbewerbsverhältnis besteht. Die Beklagten haben vorgetragen, dass sie im öffentlichen Interesse Aufklärungsarbeit hinsichtlich angeblich außergewöhnlicher Phänomene leisten. ... Die Beklagten legten in wissenschaftlicher Manier dar, warum sie das Seminar des Klägers für einen Schwindel halten... Die Beklagten haben ihr Flugblatt nicht in Ihrer Eigenschaft als Privatpersonen, sondern in ihrer Eigenschaft als Leiter des Fachbereiches UFO der 'Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften', einem als gemeinnützig anerkannten Verein, herausgegeben. Erklärtes Ziel dieses Vereins ist die kritische Auseinandersetzung mit Pseudowissenschaften sowie Magie, Aberglauben,. Okkultismus und Mystifizismus. Aufgrund der Funktion in dem obengenannten Verein, waren die Beklagten darüber hinaus in besonderer Weise zu einer kritischen Stellungsnahme zur Tätigkeit und den Aktivitäten des Klägers legitimiert."
Daraus ergab sich sofort ein Vollstreckungsbescheid gegenüber Schneider, um die vorausgezahlten Summen (zu denen nochmals 1528 DM Kosten für den eigentlichen Gerichtstermin kamen) einzutreiben. Daraufhin trat Gerichtsvollzieher Jörg Geyer in Aktion, der bei Schneider´s gemeldeter Adresse erschien um die Zwangsvollstreckung vorzunehmen, wo nur dessen arme Mutter anwesend war, die sich aber keineswegs flüssig zeigte und bei der es nichts zu Pfänden gab. Ende der Fahnenstange und lange Gesichter hier in Mannheim. Schließlich hatte die Affäre etwas vom "Ritter von der traurigen Gestalt" und dem Kampf gegen die Windmühlenflügel. Erst am 30. Oktober 1991 stellte mir Michael Hesemann einen Brief an ihm durch Erich von Däniken mit Datum des 17. Januar 1991 zur Verfügung. Hierin wird klar, dass er Schneider ehemals aufforderte "rechtlich vorzugehen" und "ich habe Andreas ausdrücklich angeboten, die Anwalts- und Gerichtskosten zu übernehmen. Dieses Angebot gilt auch für alle zukünftigen, ähnlich gelagerten Streitfälle". Da war aber alles schon zu spät und EvD in der Schweiz nicht so einfach für die deutsche Justiz greifbar. Wir hatten zwar also gewonnen, aber dennoch waren die "Lachenden Dritten" woanders zu suchen - Hesemann konnte sich zumindest seelisch befriedigt sehen, dass sein Ex-Kumpel Schneider doch noch eines ausgewischt bekommen hatte (wenn auch durch uns) und Däniken war aus dem Schneider.
6. Februar 1992. Die Jugendzeitschrift Bravo kommt mit ihrer Nr. 7 heraus. Auf S. 60ff erfuhren wir AIDS! Andy, der Humo-Junge, starb in Nina Hagens Armen. "Viele BRAVO-Leser kannten ihn: Andreas Schneider. Er behauptete, Kontakt zu Außerirdischen von dem Planeten 'Humo' zu haben. Damit löste er Riesen-Diskussionen aus. Jetzt ist er tot... Am 21. Januar [1992] starb er in der Frankfurter Uni-Klinik. Im März 1984 erzählte der damals 15-jährige Andy aus Neu-Isenburg in BRAVO zum ersten Mal seine Geschichte - eine fast unglaubliche Story. Andy berichtete über seine Kontakte zu außerirdioschen Wesen, die auf einem Stern namens 'Humo', nahe dem Planeten Pluto, zu hause sind. 1982 in Santa Cruz auf Teneriffa, wo Andy damals lebte, war er erstmals in einen Trancezustand verfallen, in dem ihm die Humo-Leute erschienen. Von da an unterhielt er sich mit den Intelligenzen vom anderen Stern regelmäßig auf telepathischem Weg. Andy brauchte sich nur das Humo-Symbol, ein stilisiertes großes H mit einer Mittelachse, mit blauer Wasserfarbe auf die Brust malen und sich hinlegen, um die Aliens zu kontaktieren.